AFC Consulting Group

Dottendorfer Str. 82
53129 Bonn

Tel.: + 49 (0)228-98579-0
Fax: + 49 (0)228-98579-79

E-Mail: info@afc.net

Bei Functional Food sind die meisten Innovationen zu erwarten

Lebensmittel mit Zusatznutzen, auch funktionelle Lebensmittel oder Functional Food genannt, werden zukünftig eine immer größere Rolle in unserem Nahrungsmittelangebot spielen. Davon zeigten sich die Experten beim Innovationskongress des Bonner Agrar- und Ernährungs-Netzwerks (baen) und des Clusters Ernährung.NRW zum Thema "Lebensmittel mit Zusatznutzen - Chancen und Risiken" am 16. November in Bonn überzeugt. Für die Industrie gewännen diese Produkte in den kommenden Jahren zunehmende Bedeutung im Hinblick auf den Markterfolg, stellte Prof. Dr. Ernst Berg, Vorsitzender des baen vor rund 400 Teilnehmern fest. Von einem weiter wachsenden Functional Food-Markt geht auch Prof. Dr.-Ing. Achim Stiebing, Vizepräsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), aus. Insofern seien in diesem Bereich in der nahen Zukunft die meisten Innovationen zu erwarten, folgerte Prof. Berg.


Für die kleinen und mittleren Unternehmen der überwiegend mittelständisch geprägten Ernährungsbranche könne es jedoch schwierig werden, diesem Markttrend zu folgen, machte Dr. Otto Strecker, Leiter des Clustermanagements Ernährung.NRW und Vorstand der AFC Management Consulting AG, deutlich. Zur Begründung verwies er auf den Aufwand, der zum einen mit der Entwicklung solcher Produkte verbunden sei. Zum anderen sollen in der EU künftig nur noch nährwert- bzw. gesundheitsbezogene Aussagen erlaubt sein, die sich wissenschaftlich verifizieren lassen. Auch dies bedeutet für die einzelnen Unternehmen nicht unerhebliche Kosten. Strecker hob vor diesem Hintergrund die Bedeutung von Zusammenarbeit und Vernetzung innerhalb der Ernährungswirtschaft selbst, aber auch zwischen den Unternehmen und Hochschulen sowie Forschungseinrichtungen hervor. Denn so könnten sich auch kleinere und mittlere Nahrungsmittelhersteller mit innovativen Produkten im Wettbewerb erfolgversprechend positionieren. In Nordrhein-Westfalen ist das Clustermanagement Ernährung.NRW von der Landesregierung mit der Aufgabe betraut, derartige Kooperationen zu initiieren und zu fördern. 


Die Bedeutung von Innovationen für die Branche machte denn auch Nordrhein-Westfalens Umweltminister Eckhard Uhlenberg bei dem Bonner Kongress deutlich: Innovation sei für die Agrar- und Ernährungswirtschaft ein wichtiger wettbewerbsbestimmender Faktor, sagte er. Innovative Unternehmen entwickelten sich weiter und verschafften sich so Wettbewerbsvorteile. Und wer Wettbewerbsvorteile habe, werde am Markt bestehen und seine Marktstellung halten und ausbauen, betonte Uhlenberg. Er konnte im Rahmen des Bonner Innovationskongresses weitere 35 Unternehmen mit dem neuen "Landesehrenpreis für Lebensmittel NRW" auszeichnen. Dieser vom Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MUNLV) und dem Clustermanagement Ernährung.NRW in Zusammenarbeit mit der DLG ins Leben gerufene Preis wird nordrhein-westfälischen Unternehmen aus der Ernährungswirtschaft verliehen, deren Produkte bei den DLG-Qualitätsprüfungen mit besten Resultaten abschneiden.  


Vor einer zu restriktiven Auslegung der gesetzlichen Vorgaben für die gesundheits- und nährwertbezogenen Angaben und damit auch für Functional Food warnte auf dem Kongress in Bonn Prof. Dr. Matthias Horst, Hauptgeschäftsführer des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL). Die entsprechenden Regelungen dürften nicht zu einem Innovationshindernis insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen werden, forderte er. Prof. Horst hob die besondere Schutzwürdigkeit der Verbraucher hervor, kritisierte jedoch die geplanten Verordnungsentwürfe der EU als zu aufwändig und zu kompliziert. Dadurch werde letztlich nur die Konzentrationstendenz in der Branche unterstützt, befürchtet er. Denn die Komplexität der geplanten Reglementierung wirke sich für die großen Unternehmen und gegen die kleineren aus, so der BLL-Experte.


Funktionelle Lebensmittel wie etwa cholesterinsenkende Margarine, verdauungsfördernde Molkereiprodukte oder probiotische Wurst nehmen zunehmend Raum in den Regalen des Lebensmittelhandels ein. Denn immer mehr Verbraucher wollen durch den Verzehr derartiger Nahrungsmittel mit Zusatznutzen ihr Wohlbefinden, ihre Gesundheit und oft auch ihre Leistungsfähigkeit fördern. Dies nicht zuletzt deshalb, weil es dem modernen Menschen häufig nicht leicht fällt, eine ausgewogene Ernährung sicherzustellen. Schließlich entsprechen unsere heutigen Verzehrsgewohnheiten oft genug nicht dem, was sich Ernährungswissenschaftler und Mediziner unter gesundem Essen vorstellen.


Dies stellte auch Prof. Dr. Peter Stehle, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) fest. Er betonte, dass hinsichtlich Gesunderhaltung und Leistungsfähigkeit nicht ein einzelnes Lebensmittel entscheidend sei, sondern ein ausgewogenes Ernährungsverhalten und ein entsprechender Lebensstil. Die EU-Bevölkerung halte sich im Durchschnitt jedoch nicht an die Verhaltensregeln der wissenschaftlichen Gesellschaften, kritisierte er. Konsequenterweise erhöhe sich das individuelle Risiko für das Auftreten von degenerativen Erkrankungen wie z.B. koronaren Herzerkrankungen und Krebs. Da sehr häufig auch mehr Energie (Kalorien) aufgenommen als verbraucht würden, sei Übergewicht weit verbreitet, so der Experte. Nach seiner Ansicht kann die Zufuhr von Lebensmittel mit Zusatz von präventiv wirkenden Nährstoffen daher durchaus sinnvoll sein.


Prof. Stehle sprach sich gegen eine isolierte Bewertung aus: Für eine entsprechende Kennzeichnung, z.B. in Form von Ampelfarben fehlten die wissenschaftlichen Grundlagen, sagte er. Eine gesundheitsfördernde Ernährung könne nicht auf ein einzelnes Lebensmittels reduziert werden, sondern erfordere die Betrachtung des gesamten Ernährungsverhaltens. Zudem erscheine es zweifelhaft, dass durch eine wie auch immer gestaltete Kennzeichnung von Lebensmitteln eine Änderung im Verbraucherverhalten zu erzielen sei, meinte der Wissenschaftler.


Der Begriff Functional Food ist derzeit noch nicht einheitlich definiert. Auch in der europäischen Gemeinschaft gibt es noch keine gesetzlichen Regelungen für funktionelle Lebensmittel, lediglich Vorschläge einer von der EU-Kommission hierzu eingesetzten Arbeitsgruppe FUFOSE (Functional Food Science in Europe) . Verboten sind bislang Aussagen zur Beseitigung, Linderung und Verhütung von Krankheiten. Es besteht jedoch weitgehende Einigkeit dahingehend, dass funktionelle Lebensmittel zusätzliche Ernährungs- und/oder Gesundheitsnutzen bieten sollen. Meist sind Lebensmittel mit Zusatznutzen mit Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen, probiotischen Bakterien, sekundären Pflanzenstoffen und zahlreichen weiteren Substanzen angereichert.


Nach Angaben der GfK-Marktforschung geben deutsche Verbraucher pro Jahr einen zweistelligen Milliarden-Euro-Betrag für Gesundheitslebensmittel insgesamt aus - mit weiter steigender Tendenz.


Weitere Infos und Fotos zum Kongress sowie zum "Landesehrenpreis für Lebensmittel NRW" finden Sie unter www.food-nrw.de 


<< Übersichtsseite

2010 created by energetic AG